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Nebelwald

Es ist früh am morgen, viel zu früh für meinen Geschmack. Und zu kalt. Ich habe das Auto hinter mir gelassen und gehe Richtung See. Kein Windhauch regt sich und dichter Nebel liegt über dem Wald. Unter dem grünen Blätterdach ist es noch erheblich dunkler. Wie sich zeigen wird, setzt sich die Sonne erst fünft Stunden später durch.

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Mein Parkplatz während des Ausflugs ;)

Schritt für Schritt rückt der See näher. Das nasse Laub des vergangenes Herbstes und der Waldboden schlucken jedes Geräusch meiner Schritte. Leichter Duft von Waldmeister liegt in der Luft und Frösche springen aufgeschreckt zwischen und vor meinen Füßen umher. Auf dem Weg Richtung See mache ich ein paar erste Fotos. Verdammt, es ist noch düsterer als ich dachte. Ich vermisse mein Dreibein-Stativ, nächstes mal bin ich klüger. Bei ISO 1000 und höher versuche ich mit Einbeinstativ und Ultra-Weitwinkel bei Offenblende das Beste aus der Situation zu machen. So ein Mist.

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Dabei hatte der Ausflug so gut begonnen. Als ich von der Hauptstraße Richtung Hohenhude (eine Kleine Siedlung aus Kiel kommend kurz vor dem Westensee liegend) abbog und der kleineren Straße Richtung See folgte, kreuzten schon, noch bevor ich die ersten Fotos machte, Rehe, Feldhasen und Kaninchen meinen weg.

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Einen ersten kurzen Stopp machte ich an einer Badestelle.

Ich versuche mich nicht weiter über meine wohl eher schlechte als rechte Vorbereitung zu ärgern und genieße die düstere Nebelstimmung. Ein Chor hunderter Vögel singt allein für mich. Eine schöne Vorstellung. Plötzlich zerreißt der Schrei eines Rehbocks die relative Stille und das Konzert verstummt für einen kurzen Augenblick. Irgendwo, verborgen im Dunst vor mir, poltern und knacken die aufgeschreckten Rehe durchs Unterholz. Ich nehme eine unscheinbare Abzweigung und folge einem kaum zu erkennenden Trampelpfad den Hügel hinunter zum Westensee. Mir bietet sich ein trübes Bild und ich sehe viel mehr, dass ich vor lauter Nebel gar nicht viel sehe. Auf dem Wasser, in den weißen Schleiern verhüllt und vor neugierigen Blicken sicher, schnattert ein Schwarm Schwäne oder Gänse vor sich hin. Allmählich wird mir warm unter Jacke und Mütze. Meine Stirn ist bereits schweißnass. Ich klettere und stolpere wenig elegant, begleitet von, wie mir vorkommt, spottenden Vogelgesängen durch das Unterholz zu einem weiteren kleinen Strand. Als der Sand unter meinen nassen Füßen knirscht muss ich mir ernüchtert eingestehen, dass mein Plan Wasservögel im spektakulär beleuchteten Morgennebel zu schießen für die Katz ist. Also bleibe ich bei meinem Weitwinkel und mache mich auf den Rückweg durch den Wald. Langsam werden auch die ersten Spechte wach und hie und da schallt ihr klopfen durch den Wald. Irgendwo aus dem Bäumen beobachtet mich ein Eichhörnchen und einige Kleiber wackeln Kopfüber die Baumstämme hinunter, entdecken mich und flattern davon. Trotz der Nassen Füße und meiner hinfälligen Pläne ist meine Laune bestens. Die Müdigkeit ist schon lange einer angenehmen Entspannung und Entdeckerfreude gewichen. Ich erfreue mich an der tollen Atmosphäre und versuche schöne Lichtstimmungen im Wald einzufangen.

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Nach diesem tollen Ausflug machte ich auf den Weg nach Hause noch einen kurzen Stopp beim nächsten Bäcker um mir nach diesem gelungenen Start in den Tag ein angemessenen Frühstück zuzubereiten. Besser kann ein Samstag kaum beginnen – und das sage ich als Nachtmensch und überzeugter Langschläfer. Ich kann wieder nur wärmsten empfehlen die kältesten Morgenstunden zumindest ab und an für kleinere oder auch größere Fotoexkursionen zu nutzen. Ich hoffe ich kann mich selbst auch dazu Motivieren. Die tolle Morgenstimmung ist es alle mal wert sich auch mal zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett zu schälen, selbst wenn die Fotopläne vielleicht nicht immer ganz aufgehen. Ich hoffe ich habe trotzdem das eine oder andere schöne Foto mitgebracht :)

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Nach meinem Abstecher zum kleinen Schierensee und vor meinem Heimweg machte ich noch einmal ganz kurz am Westensee Station.

3 Gedanken zu „Nebelwald

  1. Hey Macro, bin eben über eines deiner Bilder bei 500px gestoßen. Bin dann auf deine Seite gekommen und habe mit Begeisterung deinen Artikel gelesen! Hat viel spass gemacht, da du einen angenehmen schreibstil hast. Die Bilder sind übrigens klasse geworden, ich liebe Wälder im Nebel. Dann entstehen die besten Wandbilder wie ich finde. Nur leider schaffe ich es nicht oft mich so früh aus dem Bett zu quälen :( um wie viel uhr warst du denn vor Ort für so einen tollen Nebel?
    Liebe grüße!

  2. Erstmal vielen dank, freut mich, dass es dir gefällt :)
    Ich bin auch eher der Nachtmensch der lieber spät zu Bett geht und entsprechend spät aus dem Bett fällt. Gestern bin ich ziehmlich genau um 5 vor Ort gewesen. Fotografiert habe ich also zwischen 5 und 8 – Ich hatte dieses mal unglaubliches Glück mit dem Nebel. Die Sonne kam bei dem zusätzlichen Hochnebel bzw Wolken einfach nicht durch. Dadurch hat sich der Nebel erst Stunden nach Tagesanbruch aufgelöst.

  3. Toller Erlebnisbericht und schöne *grüne* Stimmung.

    Mir persönlich würde es reichen, einmal im Monat morgens raus zu kommen, vorausgesetzt, ich kenne den Wetterbericht und habe einen Zielort.

    Man macht ja meistens auf so einer Tour so viele Bilder, dass die für den Folgemonat schon mal reichen sollten.

    Trotzdem hat es bei mir im letzen Jahr nur dreimal geklappt…

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